Montag, Mai 20, 2013
   
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Tourette Syndrom

Das Gilles de la Tourette Syndrom, meist Tourette-Syndrom oder kurz TS genannt, ist eine komplexe neuropsychiatrische Erkrankung, deren genaue Ursachen bislang unbekannt sind. Es handelt sich dabei vermutlich um eine neurologische Funktionsstörung, welche sich in motorischen und sprachlichen "Tics" äußert, z. B. Augenzwinkern, Lautwiederholungen, Koprolalie (zwanghaftes Fluchen) oder Zwangshandlungen. Diese "Tics" können nicht kontrolliert werden, weshalb viele TS-Patienten von der Krankheit als "das Es in ihnen" sprechen. In Deutschland leben etwa 50.000 Menschen mit TS.

Die Allopathie behandelt TS symptomatisch mit Neuroleptika und anderen Psychopharmaka, die jedoch nur sehr begrenzt wirken und häufig mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen. Bei viele Patienten hat die Einnahme dieser Medikamente keine Verbesserung der Lebensumstände zur Folge, sondern sie werden dadurch vielmehr "ruhiggestellt", um andere nicht mehr zu stören bzw. sich selber nicht mehr zu verletzen und/oder in Gefahr zu bringen. Werden diese Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen, so können sie ihre Wirkung verlieren, was einen Rückschlag bedeutet.

Ende der 90er Jahre publizierte die medizinische Fakultät Hannover die Ergebnisse einer Umfrage unter 47 Tourette-Patienten hinsichtlich ihrer Erfahrungen mit Nikotin, Alkohol und Hanf bezüglich ihres Einflusses auf die Tics. 7 % der Raucher (2 Personen) verspürten Verbesserungen durch Zigarettenkonsum. 69 % der Alkoholkonsumenten (24 Personen) erlebten zwar eine deutliche Verbesserung in Form von Verminderungen der sprachlichen und motorischen Tics, aber auch eine regelmässig eintretende Verschlechterung am nachfolgenden Tag für einige Stunden. 85 % der Hanfkonsumenten (11 Personen) berichteten von deutlichen Verbesserungen der Tics, ohne dass dabei unerwüschte Nebenwirkungen eintraten.

Diese Umfrage bildete die Grundlage für eine Pilotstudie mit 12 Tourette-Patienten. Diese randomisierte doppelblind, placebokontrollierte, cross-over Studie, bei der eie Patienten einmalig mit delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) (5,0, 7,5 oder 10,0 mg) behandelt wurden, ergab, dass eine THC-Behandlung die Symptome für mehrere Stunden reduziert. Dabei wurden neuropsychologische Tests durchgeführt, die keinen Einfluß von THC auf kognitive Funktionen wie selektive und geteilte Aufmerksamkeit, Langzeit-, Kurzzeit- und visuelles Gedächtnis, Lernleistung, allgemeines Leistungsniveau, kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit, Reaktionszeit, Konzentration und Depression zeigten.

Eine Folgestudie mit sechswöchiger Therapiedauer und mehr Patienten bestätigt die Ergebnisse. Es wurde das US-Präparat Marinol® verwendet.

Kontakt

Dr. Kirsten R. Müller-Vahl
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