Sonntag, Mai 19, 2013
   
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Polizei und Mediziner warnen vor "Lava Red"

 

Kräuterdroge mit gefährlichen Folgen

ca Lüneburg. Offiziell gilt der Stoff ganz harmlos als Raumduftmischung oder Räucherware zum Meditieren, doch Experten warnen vor "Lava Red": Die mit künstlichem Cannabis versetzte Kräutermischung sei eine Droge mit gefährlicher Wirkung. Junge Leute rauchen das Kraut - immer wieder mit bösen Folgen. Prof. Dr. Josef Sonntag, Chef der Lüneburger Kinderklinik, kennt das Mittel und ähnliche Mixturen wie Spice: "Wir haben in den vergangenen Monaten häufiger Jugendliche aufgenommen, die mit solchen Stoffen Kontakt hatten." Die jungen Patienten hätten massive Kreislaufprobleme gezeigt, zum Teil auch halluziniert.

Das Landeskriminalamt in Hannover warnt vor Lava Red und ähnlichen Produkten. Es sei nicht erforscht, was da zusammengerührt wird. In einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur sagte LKA-Sprecher Frank Federau: "Wir gehen davon aus, dass die Hersteller bewusst das Betäubungsmittelgesetz umgehen. Es werden vorsätzlich falsche Angaben zum Gebrauch gemacht. Dass so eine Kräutermischung nicht als Badezusatz oder Räucherware eingesetzt wird, dürfte klar sein." Rund zehn Euro koste der Stoff pro Gramm, mit harmlosen Erfahrungsberichten ködern Händler Jugendliche im Netz. Ihr Argument scheinbarer Sicherheit: Das Zeug ist legal zu haben.

Darin liegt auch ein Problem der Polizei. Der Chef des Lüneburger Drogenkommissariats, Hartmut Sievers, und seine Kollegen finden eher selten ein Tütchen mit dem vermeintlichen Kräuter-Glück. "Das passiert, wenn wir wegen anderer Dinge in der Szene ermitteln", sagt der Hauptkommissar. "Konsum und Handel laufen in einer Grauzone ab." Trotzdem schauen die Beamten genau hin. Sievers Hoffnung: Wenn der Stoff, der auf der Substanz künstlichen Haschischs basiert, nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, könnte er aber eventuell unter die Richtlinien für Arzneimittel eingeordnet werden.

In der Kinder- und Jugendklinik können Prof. Sonntag und seine Mitarbeiter wenig tun, wenn sie einen 16-, 17-Jährigen aufnehmen. "Die Stoffe findet man nicht mit den üblichen Drogentests", sagt der Mediziner. Es sei ähnlich wie das Ausnüchtern nach schwerem Suff: "Am nächsten Tag sind die Wirkungen wieder vorbei."

Selbst wenn Veränderungen im Betäubungsmittelrecht Ende Januar in Kraft treten, dürfte es die Hersteller nicht groß treffen. Nach Einschätzung von Fachleuten müssen sie die chemische Zusammensetzung nur leicht verändern, um quasi ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.

Quell: LANDESZEITUNG Lüneburg