Freitag, Mai 24, 2013
   
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Sense im Hanffeld

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Text: Patrick Weber
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Fotos: Ute Metzger

Im Artikel „Marihuana als Medizin“ (Revue 37/2010) gingen wir erstmals auf den möglichen medizinischen Nutzen von Cannabis ein. Im Interview brach Dr. Jean Colombera eine Lanze für die Pflanze. Eine Hausdurchsuchung in seiner Praxis und das anhängende Verfahren gegen ihren Arzt haben seine Patienten inzwischen mächtig in die Bredouille gebracht.

O hne mein Medikament würde ich hier meinen Kopf auf die Tischplatte hauen.“ Lars Scheimann ist ein Bär von einem Mann, durchtrainierter Body, dass er nahezu täglich Sport treibt, sieht man ihm an. Dass der Duisburger täglich Cannabis zu sich nimmt schon weniger. Gut, das eng anliegende, seinen muskulösen Brustkorb noch unterstreichende T-shirt mit der Aufschrift „Cannabis in medicine“ verrät, dass wir’s zumindest wohl kaum mit einem Verfechter der guten alten Schulmedizin zu tun haben.
Der 39-Jährige leidet unter dem Tourette-Syndrom. Die nach ihrem Entdecker Gilles de la Tourette benannte Krankheit äußert sich durch unkontrollierte, manchmal harmlosere Ticks wie etwa Augenblinzeln oder Grimassen schneiden, mitunter auch sehr heftige bis zu sich selbst verletzenden Bewegungen, wie eben dem oben erwähnten „Kopf auf die Tischplatte hauen“. Zahlreiche Tourette-Patienten leiden zudem unter Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität (ADS/ADHS). So auch Lars Scheimann. Der eines Tages auf einer Fete eher durch Zufall mit Cannabis in Kontakt kommt und merkt, dass dadurch seine Ticks abschwächen. Fortan besorgt er sich regelmäßig sein Medikament „von der Straße“, kann wieder ein normales Leben führen und wird nicht mehr wegen seiner Symptome von seinem Umfeld oder Passanten als verrückt abgestempelt.