Samstag, Mai 18, 2013
   
Text Size


Glaukom

Glaukom

Glaukom ist eine Erkrankung, die aus einem erhöhten Augeninnendruck resultiert. Der Augapfel muss fast perfekt rund sein, um das Licht genau auf der Netzhaut zu bündeln. Seine Form wird von dem Druck einer inneren Flüssigkeit bestimmt, dem Kammerwasser. Wenn das Auge davon zuviel produziert oder wenn die Kanäle, durch die diese Flüssigkeit abfliesst, blockiert sind, kann der wachsende Druck den Sehnerv schädigen, der die Impulse vom Auge zum Hirn leitet. In den Vereinigten Staaten (und der westlichen Welt) leiden 1,5 Prozent der Fünfzig.- und etwa fünf Prozent der Siebzigjährigen unter einem Glaukom. Nahezu eine Million Amerikaner sind von dieser Krankheit betroffen, die alljährlich bei 80'000 Patienten zur Erblindung führt. Damit sind Glaukome (nach altersbedingten Netzhautdegeneration) mit einem Anteil von 10 Prozent die zweit häufigste Ursache für Erblindung im Erwachsenenalter. Die meisten Glaukome gehören zum einfachen Typus (Glaucoma simplex)., bei dem die Kanäle sich allmählich verengen und der Augeninnendruck langsam steigt. Der resultierende Verlust der peripheren Sehfähigkeit (Gesichtsfeld ausfall) wird oft erst bemerkt, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Früher Nachweis und sorgfältige Beobachtung und Kontrolle des Augeninnendrucks sind notwendig, um irreversible Schäden zu vermeiden.
Heute wird das Glaukom oder der Grüne Star hauptsächlich mit Augentropfen behandelt, die Beta-Blocker wie Timolol (Timoptic®) enthalten und so die Aktivität von Epinephrin (Adrenalin) hemmen. Sie sind sehr wirksam, haben aber schwere Nebenwirkungen. Sie könne zu Depressionen und schwerem Asthma führen, den Herzschlag verlangsamen und das Risiko einer Herzkrankheit erhöhen. Paradoxerweise können auch Adrenalinderivate in Form von Augentropfen gegen das Glaukom wirksam sein, aber sie können das Weisse im Auge reizen und Bluthochdruck und Herzerkrankungen verschlimmern. Miotika (pupillenverengende Medikamente) wie Pilocarpin werden bei Glaukomen ebenfalls verschrieben, heute allerdings seltener als in der Vergangenheit. Sie bleiben im allgemeinen ohne schädliche Wirkungen auf das Herz, die Atmung und den Verdauungstrakt, können aber verschwommenes Sehen, verschlechtertes Nachtsehvermögen und Katarakte (Linsentrübung, Grauer Star) verursachen. Die Patienten können auch Tabletten mit einem Carboanhydrasehemmer erhalten, der die Produktion von Kammerwasser herabsetzt. Die Carboanhydrasehemmer könne zu Appetitverlust, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Taubheit und Prickeln, Depressionen und Müdigkeit, Nierensteinen und in seltenen Fällen zu einer tödlichen Blutkrankheit führen. Fünfzig Prozent der Glaukompatienten vertragen dieses Medikament nicht.
Das jüngste Medikament gegen Grünen Star heisst Latanoprost (Xatalan®). Anstatt die Produktion von Kammerwasser zu verringern, senkt es den Augeninnendruck durch eine vermehrte Drainage der Flüssigkeit. Bei etwa sieben Prozent der Patienten bewirkt es allerdings auch eine Zunahme der braunen Irispigmente und führt so zu einer allmählichen Veränderung der Augenfarbe.
Die Entdeckung, das Hanf den Augeninnendruck reduziert, erfolgte zufällig während eines Experimentes an der University of California in Los Angeles (UCLA), bei dem geklärt werden sollte, ob Cannabis die Pupillen erweitert. Die Polizei von Los Angeles ging nämlich davon aus, dass diese vermutete Erweiterung (zusammen mit weissen Lippen, einem grünlichen Zahnbelag und anderen Merkmalen) einen Marihuana Rausch anzeige und damit einen ausreichenden Grund für Durchsuchungen und Verhaftungen liefere. Die am Experiment beteiligten Versuchspersonen waren normale Freiwillige, die staatlich kultiviertes Hanfkraut rauchten. Ihre Augen wurden während des Rauchens fotografiert, und es stellte sich heraus, das die Pupillen sich nicht erweiterten, sondern leicht zusammenzogen. Eine augenärztliche Überprüfung zeigte, das Cannabis ausserdem die Tränenflüssigkeit reduzierte (Hanfraucher haben oft behauptet, dass sie wunderbar Zwiebeln schälen können, wenn sie high sind) und das der Augendruck gesunken war. Weitere Experimente zeigten bei Glaukompatienten einen ähnlichen Effekt. Hanf senkte den Augeninnendruck für durchschnittlich vier bis fünf Stunden, "ohne Anzeichen für irgendwelche schädlichen Auswirkungen auf die Sehfunktionen oder die Augenstruktur". Unter Hanfeinfluss reagierten die Pupillen normal auf Licht; Sehschärfe, Brechungsindex, peripheres Gesichtsfeld, räumliches Sehen und Farbsehen wurden nicht beeinflusst. Die Forscher schlossen daraus, dass Hanf nützlicher sein kann als herkömmliche Medikamente und wahrscheinlich nach einem anderen Mechanismus funktioniert. Dies wurde durch weitere Experimente an Menschen und Tieren bestätigt.
Die Wirkung auf den Augeninnendruck erfolgt, wenn Hanf geraucht oder THC oral eingenommen wird. In einer Studie rauchten neunzehn Patienten über fünfunddreissig Tage und neunundzwanzig Patienten über vierundneunzig Tagen Hanf, ohne dass sich eine Toleranz gegen die Wirkung auf den Augendruck oder eine Verschlechterung des Sehvermögens ergaben. Verschiedene Tierversuche haben gezeigt, dass Cannabis auch lokal (das heisst als Augentropfen) angewandt werden kann. Das ist desshalb wichtig, weil die psychischen Wirkungen bei der lokalen Verabreichung geringer sind und weil die Augenärzte Augentropfen eher akzeptieren können. Leider sind Cannabiszubereitungen, die für die lokale Anwendung beim Menschen geeignet sind, bislang noch nicht entwickelt worden.
Im sogenannten Endstadium eines Glaukoms hat der Patient bereits einen beträchtlichen Teil seiner Sehkraft verloren; der Zustand verschlimmert sich, herkömmliche Medikamente sind wirkungslos, und Erblindung droht. Robert Randall, von dem der folgende Bericht stammt, hatte dieses Stadium erreicht, als er begann, regelmässig Hanf zu rauchen. Er hatte alle zu Verfügung stehenden Glaukommedikamente in den höchstzulässigen Dosen genommen, und trotz allem war sein Augeninnendruck gefährlich hoch geblieben. Wenn er nichts unternommen hätte, wäre er Erblindet.

Ich rauchte meine erste Hanfzigarette an dem Tag, als Richard Nixon zum Präsidenten gewählt wurde. Jerry Ford war Präsident, als ich meinen ersten legalen "Forschungs"-Joint rauchte. Jimmy Carter war wenige Tage im Amt, als ich mit dem ersten neuzeitlichen amerikanischen Rezept für medizinisches Hanfkraut aus einem Krankenhaus in Washington D.C. stolzierte. Ich kiffte mich legal durch die Reggae-Jahre, unberührt von den geistlosen "Krieg den Drogen" (war on drugs)-Aufrufen. Im Moment ist George Bush Präsident. Ich rauche immer noch legal medizinisches Hanfkraut und kann als folge davon immer noch sehen.
Mein Weg zu diesem Stoff führte über Alkohol und Tabak. Ich begann Tabak zu rauchen, weil ich Pot rauchen wollte und das Inhalieren üben musste. Eine rein ökonomische Entscheidung; Tabak kostete damals pro Zigarette zwei Cent. Hanf war im Vergleich geradezu unanständig teuer - fünfzehn bis zwanzig Dollar pro Unze (28,35g) für den wirklich guten Stoff. Ich wurde schon nach der ersten Zigarette süchtig nach dem süssen Nikotin - ein verlangen, das ich noch überwinden muss.
Hanf war natürlich völlig anders. Es war viel harmloser, machte nicht süchtig und war illegal. Anders als viele andere kam ich gleich beim ersten Mal völlig auf den Trip. Wenn ich die Augen schloss, sah ich leuchtende Farbfotos - mentale Superdias - von guten freunden, die total glücklich aussahen. In anderen Kulturen würde so etwas vielleicht als die Botschaft der Hanfpflanze gedeutet, die mir sagte, dass ich das Gute brauchte, was sie mir geben konnte. Ich genoss das Hanf rauchen sehr. Es machte Spass.
In meinem leben traten allmählich subtile Veränderungen auf. Zuerst erfolgte eine Änderung in dem, was ich meinen Sinnen zumutete. Qualvoll laute, grelle Haschparties mit Herden von völlig zugekifften Leuten wichen ruhigen Abendsitzungen im Halbdunkeln in einem kleinen Kreis enger Vertrauter - Mitverschworene beim illegalen tun -, wir hörten leise Hardrock, um keinen Verdacht zu erregen, und ein Handtuch wurde unter die Tür gestopft, um den Geruch nicht nach aussen dringen zu lassen.
Ich segelte auf Wolken von Cannabis durch das College, schloss mein Vorstudium früh ab und begann mit dem Master-Studium. Keine Probleme in der Akademie. Meine Freunde rauchten fasst alle. Ich genoss es, in Gruppen oder alleine Hanf zu rauchen und lernte, mich auf den plötzlich plastischen Charakter des Denkens einzulassen. Der von Hanf bewirkte Sprung von hyperlinearen Gedankenreihen in ein Universum zufällig verbundener Gedanken und entlegener Assoziationen machte mir Freude. McLuhan wurde plötzlich verständlich. Ausserdem sah ich klarer, wenn ich Hanf rauchte. Ich rede nicht von Erleuchtung. Ich meine das Sehen. Gucken. Seit ich ein Teenager war, hatte ich abends immer ein Sehprobleme - flüchtige, dreifarbene Halos. An manchen Abenden war ich plötzlich weissblind. Meine Umgebung versank in einem undurchdringlichen Wirbel absoluter Erleuchtung - die weisse Leere.
Ich wusste, dass diese Probleme nichts Ernstes waren, denn die Ärzte haben mir gesagt, solche Symptome wären nur bei älteren Menschen besorgniserregend. Da es wegen meiner Jugend nichts Ernsthaftes sein konnte, musste es einfach "Überanstrengung" sein. Das viele Lernen. Wenn die Ärzte sich keine Sorgen machten, warum sollte ich es tun? Ohne Hanf, das meine "Überanstrengung" linderte, hätte ich wahrscheinlich mein Diplom nicht fertig bekommen.
Nach dem Abschluss ging ich 1971 nach Washington, um aufpeitschende Reden für mächtige Leute zu schreiben, und endete als Taxifahrer. Ich fuhr gern Taxi. Sehr unterhaltsam. Kein Chef. Du wählst die Arbeitszeit selbst. Ich hatte auch aufgehört Hanf zu rauchen. In einer neuen Stadt mit neuen Leuten hatte ich keine Freunde und keinen Zugang zu dem Stoff - keinen Dealer. Es war an einem Sommerabend, 1972; ich schloss mein linkes Auge und entdeckte, dass ich mit dem rechten Auge nicht lesen konnte. Anstelle klar geformter Buchstaben sah ich einen Hufen schwarzer Tinte, der auf einer weissen Seite verteilt war. Wie dicht ich den Text auch vor mein Auge hielt, er blieb unentzifferbar, unerklärlich und fremd. Irgend jemand empfahl mir einen guten Augenarzt. Am nächsten Nachmittag war ich bei ihm. Ich war vierundzwanzig.
Dr. Benjamin Fine, einer der führenden Augenpathologen der Vereinigten Staaten, führte ein paar Untersuchungen mit mir durch. Ich erzählte ihm von meinen Halos und der Weissblindheit. Seine Assistentin testete zum ersten mal mein Gesichtsfeld, Schliesslich rief mich der Arzt in sein Büro. Er schien ernst und besorgt. Offensichtlich waren die Nachrichten schlecht. Dr. Fine sagte: "Mein Lieber, Sie leiden unter einer sehr ernsthaften Erkrankung, dem sogenannten Glaukom. Die Augen sind bereits stark geschädigt, und..."
"Wie lange noch?"
Umgeworfen von meiner Direktheit, erwiderte er sanft:
"Bestenfalls drei, vielleicht vier oder fünf Jahre bleiben Ihnen noch. Sie haben auf beiden Augen den grössten teil Ihrer Sehkraft verloren. Ihr rechtes Auge hat keine zentrale Sehschärfe mehr - keine Lese-Sehkraft - nichts mehr. In Ihrem linken Auge ist nur noch eine kleine Insel von gesundem Gewebe übrig. Darum können sie noch lesen. Der Druck liegt in beiden Augen über vierzig. Er sollte unter zwanzig sein. Sie sind in ernsthaften Schwierigkeiten. Sie sind dabei, zu erblinden."
Eine Operation was riskant, besonders bei jemandem, bei dem der Schaden schon so weit fortgeschritten war. Es konnte gut sein, dass eine Operation die verbliebenen kleinen Reste gesunden Gewebes zerstören würde.
"Es tut mir leid, mein Junge. Wir werden tun, was wir können, aber wir können nicht viel tun. Sie werden erblinden." Er sah bekümmert aus. Dr Fine träufelte mir Pilocarpin in die Augen, nahm mich bei den Schultern, fragte, ob ich okay wäre, klopfte mir auf den Rücken und schickte mich mit den schiksalsergebenen Worten fort: "Leben Sie einfach, wie Sie immer gelebt haben..." Patienten kennen das Ende dieses gefürchteten Satzes: "denn es wird nicht mehr lange dauern."
Ziemlich fassungslos über diese schreckliche Aussicht für meine Zukunft ging ich die Treppen hinab, stieg ins Auto, und ich konnte wirklich nicht weiter sehen als bis zu Armaturenbrett. Das Miotikum Pilocarpin führt zu intensiver Kurzsichtigkeit. Ich fuhr zur Rush-hour durch Washington, geleitet von meiner Erinnerung und dem Blitzen des Sonnenlichtes auf den Autos vor mir. Ich ignorierte den einladend gähnenden Abgrund einer schrecklichen Depression. Ich konnte immer noch sehen, lesen, mich an allen Schönheiten und Farben und Formen der Natur erfreuen. Natürlich nur, bis ich mein neu verschriebenes Pilocarpin nahm, das meine Sehkraft sofort auf Reste unscharfer Formen beschränkte. Meine erste Bekanntschaft mit der wunderbar verzerrten Welt der Glaukompharmakologie.
Der Medizinische Versuch, mir die Sehkraft durch Verabreichung von Medikamenten zu erhalten, die zu funktionaler Blindheit führen, bewirkte, was Ärzte geringschätzig als "mangelnde Kooperationsbereitschaft" bezeichnen. Das bedeutet, wenn ich ins Kino wollte, musste ich Pilo weglassen, meine pharmazeutisch hervorgerufene Kurzsichtigkeit auf diese Weise verhindern und den Film geniessen. Vielleicht verlor ich etwas Sehkraft, aber ich konnte wenigstens den Film sehen.
Das Glaukom und die Therapie dagegen machten mich aber mit viel umfassenderen und unangenehmeren Tatsachen bekannt. Pilo und Autofahren vertragen sich nicht. Innerhalb einer Woche nach der Diagnose war ich ohne Taxi und ohne Arbeit. Zum "Behinderten" abgestempelt, landete ich bei der Wohlfahrt, eine unerwartete Vormundschaft des Staates. Allmählich wurde es wirklich ernst.
Innerhalb weniger Wochen nach der Diagnose hatte sich meine Dosis für Pilo verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht. Nach einigen Monaten kam Epinephrin hinzu. Epi führt zu Herzflattern, öffnete meine Pupillen weit und liess so viele Photonen ein, dass ich in Licht zu ertrinken meinte. Dann kamen Diamox® (ein Carbonhydrasehemmer), noch eine Pille, ein Diuretikum. Lähmende Müdigkeit. Alles schmeckte anders. Schliesslich wurden der Mischung aus lauter Verzweiflung noch Augentropfen mit Phospholinjodid hinzugefügt, der Weiterentwicklung eines Nervengases aus dem zweiten Weltkrieg. Inmitten dieser Anhäufung von pharmazeutischen Kampfmitteln blieb ich mit verschwommener Sicht, unglaublich kurzsichtig, lichtempfindlich, extrem müde und mit chronischen Rückenschmerzen zurück. Nierenverkalkung. Die medizinische Untersuchung ergab allerdings immer noch sehr stark erhöhten Augeninnendruck. Meine schnell eskalierende Aufnahme giftiger Medikamente wurde überholt von dem dynamischen Charakter meines Glaukoms. Jedesmal war mein Gesichtsfeld wieder geschrumpft. Obwohl ich den gesamten Arzneimittelmarkt in mich hineinstopfte, hatte ich jeden Abend dreifarbige Halos - ein Anzeichen dafür, das der Augendruck über 35 mm Hg (Millimeter Quecksilber) lag. An manchen Abenden änderten sich die Halos, an anderen Abenden erschienen sie als harte Kristallringe, die von jeder Lichtquelle ausgingen. Und dann gab es gar nicht mal so seltene Nächte mit Weissblindheit - die Welt war so strahlend, dass sie unsichtbar war. Die klinische Übersetzung: Augendruck über 40 mm Hg. Insgesamt standen die Dinge also nicht sehr gut.
Dann gab mir jemand mal ein paar Joints. Süsser Hanf! An jenem Abend kochte ich und ass zu Abend, schaute fern. Meine dreifarbigen Halos erschienen, und das Fernsehen wurde weniger interessant. Also stellte ich Musik an, dämpfte das lästige Licht und geriet unversehens in ernsthaftes Forschen. Zufällig blickte ich aus dem Fenster zu einer entfernten Strassenlampe und stellte fest, was dort nicht war, keine Halos. Da machte ich Erfahrung einer voll angepowerten, omnidimensionalen Technicolor Superglühbirne - wie im Comic. In einem transzendenten Augenblick sprachen die Spähern! Ganz einfach. Du rauchst Shit, dein Augendruck geht weg. Ganja ist gut für dich.
Das war wirklich toll, aber am nächsten Morgen im Nebel der Miotika dämpfte ich mein aufsteigendes Entzücken und begann mit einem gründlichen Realitäts-Check. Mein gut ausgebildeter, sehr leidenschaftsloser Intellekt sprang nicht gerade sanft mit mir um. "Lass uns", sagte meine linke Gehirnhälfte, "analytisch vorgehen." Halt dich fest - die Tatsachen sind nicht schön. Diese arme, supergestresste Seele, die nicht bereit ist, den angehäuften Horror von dem zu akzeptieren, was zum "wirklichen Leben" geworden ist, legt die Hände auf etwas wirklich guten Shit. Der junge raucht ein paar Joints und kriegt einen grossen Trip. Okay, offensichtlich Luftschlösser. In seiner Verzweiflung und Ausweglosigkeit stellt er sich vor, dass Hanf ihm "sein Augenlicht retten" wird.
Sind wir verrückt? Die Antwort liegt doch wohl auf der Hand, oder? Wer würde angesichts der Sachlage nicht gerne daran glauben, dass etwas Mystisches, Magisches, Geheimnisvolles und Verbotenes ihn vor der Hölle ewiger Dunkelheit retten wird? Die Vorstellung, dass eine verbotene, medizinisch nicht erhältliche Pflanze - eine Pflanze, die nur zum Vergnügen und als Genussmittel geraucht wird - dir "das Augenlicht retten" wird, ist verrückt und sinnlos; so weit hergeholt, unwahrscheinlich und pathetisch ist diese Vorstellung, wie es sich nur jemand ausdenken kann, der verrückt ist. Es begannen sechs Monate zynischer Beobachtung. Sechs Monate, in denen ich ganz simpel dem Prinzip von Versuch und Irrtum folgte. Am Ende war die Schlussfolgerung zwingend. Ohne Hanf gab es Halos und weissblinde Abende. Wenn ich Hanf rauchte, waren die Halos weg. Gibt es dabei ein Muster? Na klar. Wenn ich sehr genau zuschaute, konnte ich sogar beobachten, wie die Halos verschwanden. Die sich anhäufenden Beweise reproduzierbare positive Wirkung von Hanfkraut waren unwiderlegbar.
Also akzeptierte ich, dass eine illegale, medizinisch nicht erlaubte Pflanze mir helfen kann, nicht Blind zu werden. Was nun? Brenne ich darauf, nette, erfolgsorientierte, angesehene Augenpathalogen mittleren Alters wie den wirklich guten Dr. Ben Fine auf meine shitverursachte Enthüllung aufmerksam zu machen, die natürliche möglicherweise Millionen ähnlich betroffener Menschen nützen kann? Na klar! Aber das geht nicht. Er ist ein guter Arzt. Ich mag ihn. Er ist ehrlich. Aber er wird sich über meine Nachrichten nicht freuen. Es gibt medizinische Fragen. Und natürlich Sorgen wegen der Legalität, wegen Missbrauch oder Schlimmerem. Wenn Dr. Fine Bescheid weiss, es aber nicht der Polizei sagt, wird er dann zu meinem kriminellen Komplizen? Ein Mitverschwörer? "Haschischdoktor verhaftet!" Seine Karriere ruiniert. Wenn ich es nicht dem Arzt meines Vertrauens erzähle, wem dann? Ich könnte es den Drogenbehörden erzählen. Klar! "Hanf kann dir helfen!" Genau auf diese Sorte Nachrichten waren rabiate Anti-Drogen-Kämpfer schon lange. Auf diese ganz plumpe Art verhindert Angst -durch das Verbot hervorgerufene Angst - jeden Dialog über den medizinischen Nutzen von Hanf, trennt Patienten von Ärzten, von anderen Patienten, von der Regierung. Du bist isoliert. Das ist schon in guten Zeiten unter günstigen Umständen nicht wünschenswert. Wenn du jung bist und zu erblinden drohst, ist die Tatsache, dass du solche entscheidenden Informationen nicht dem Arzt, der dich behandelt, oder anderen, denen sie helfen könnten, mitteilen kannst, fürchterlich. Es wurde eine Zeit kurzgesteckter Ziele. Rauch weiter, halt den Mund und bleib sehfähig. Sehen ist wirklich. Alles andere ist Politik.
Dr. Fine wunderte sich zwar über die plötzliche Veränderung meines Zustands, war aber sehr erfreut über die Ergebnisse. Mein ständiger Gesichtsfeldausfall stabilisierte sich. Mein Gleiten in die Dunkelheit verlangsamte sich, kam zum Stillstand. Als das Glaukom sich besserte, kamen andere Aspekte des Lebens von selbst in Ordnung. Ich entkam der Wohlfahrt und nahm einen Teilzeitjob in einem College an.
Ganz abgesehen von ungemütlichen Begegnungen mit zwielichtigen Typen ist illegales Marijuana sehr teuer, unterliegt keinerlei Qualitätskontrolle und ist nicht immer erhältlich. Um mit Versorgungsengpässen fertig zu werden, tat ich etwas, was viele Patienten heute noch tun. Ich zog mir etwas Hanf selbst.
1974 versuchte ich, Hanf in meiner Wohnung zu ziehen, nur um zuzuschauen, wie unaufhaltsame Legionen von Spinnmilben begeistert meinen Shit frassen. Im nächsten Frühjahr keimten zwei Hanfpflanzen - die aus unabsichtlich verstreuten Samen gewachsen waren - durch die Bretter meiner Terrasse. Wir Pflanzten sie ein, pflanzten noch ein paar dazu und liessen die Natur den Rest tun. Im Sommer waren wir gesegnet mit wundervollen, fast zwei Meter hohen Hanfpflanzen. Alles lief super. Meine Sehkraft war stabil. Ich hatte Arbeit. Ich hatte vieles wiederentdeckt. Ich lebte mit Alice zusammen. Herrlich. Es waren die letzten ruhigen Tage meines Lebens.
Während wir Urlaub in Indiana machten, durchsuchte die Drogenpolizei mein Haus und fand meine zwei Meter hohen Hanfpflanzen. Bei unserer Rückkehr fand ich einen Haftbefehl auf dem Küchentisch vor. Auf der Rückseite war eine Notiz gekritzelt, die mich aufforderte, mich zu stellen. Ich wusste damals nicht, dass die Haft so ungefähr das beste war, das mir geschehen konnte. Sie "rettete mir das Augenlicht".
Als ich meinen Rechtsanwälten erzählte, ich würde Hanf rauchen, um mein Glaukom zu behandeln, dachten sie, ich sei hysterisch. Als sie merkten, dass ich keine Witze machte, hörten sie nur auf zu lachen, um mir zu sagen, das solle ich erstmal beweisen. Ich sprach mit Keith Stroup, dem Leiter der National Organisation for the Reform of Marihuana Laws. Keith lachte nicht. Statt dessen erklärte er mir bedachtsam, dass ich keine Chance hätte. Aber er gab mir ein paar Telefonnummern und schlug mir vor, herum zu telefonieren. Also telefonierte ich die Bundesbehörden durch. Ich muss wohl nicht sagen, wie überrascht ich war, als mir mindestens drei Beamte frank und frei erklärten: "Oh ja, wir wissen, dass Hanf gegen Glaukom hilft. Wir haben jede menge Daten, die das zeigen..."
Sie wussten es! Sie wussten es und hatten es nicht für nötig befunden, mir das zu sagen. Sie wussten es, aber sie wollten nicht, dass jemand anders es wusste. Man bedenke, dies war 1975, nicht gestern. Vor die Wahl gestellt, ein unverantwortliches, gut etabliertes, absolutes und umfassendes Verbot durchzusetzen oder den dringenden medizinischen Bedürfnissen verzweifelt kranker Bürger zu entsprechen, hatten sich die Drogenbeamten natürlich dafür entschieden, ihren institutionellen Betrug aufrechtzuerhalten. Das ist der Grund, warum Beamte auf der ganzen Welt bei den Bürgern, denen sie dienen, so beliebt sind.
Es ist nicht schwer zu beweisen, dass Hanf den Augendruck senkt. Die Regierung, meine Regierung, wusste bereits 1971 genau Bescheid über die positiven Auswirkungen von Hanf auf das Glaukom. Hanf ist ein politisches Thema, keine rein medizinische Angelegenheit. Ausserdem kann man mit der Anzucht medizinischer Heilpflanzen nicht viel verdienen. Die medizinischen Oberbonzen, die das National Eye Institute unter Kontrolle hatten, wollten damit nichts zu tun haben. Sie hatten ebenfalls Angst. Es könnte ja ihren Verdienst schmälern. Als ich sie um Hilfe bat, verweigerte dieses National Eye Institute die Durchführung jeglicher Experimente mit Hanf, weil ich die Daten eventuell vor Gericht benutzen wollte. Die führenden Augenspezialisten des Landes waren politisch korrekt eingestellt und sehr gegen Hanf. Ausserdem, sagten die Ärzte nachdenklich, konnte man Hanf nie wirklich einsetzen. Hanf führt dazu, dass die Leute "high" werden. Und wir alle wissen, ist Euphorie schrecklich gefährlich.
Schliesslich unterzog ich mich zwei streng kontrollierten medizinischen Experimenten. Das erste, das am Jules Stein Eye Institute der UCLA durchgeführt wurde, erforderte, dass ich dreizehn Tage rund um die Uhr in einem psychiatrischen Krankenhaus beobachtet wurde. Ich geriet mitten in ein laufendes Forschungsprojekt, an dem "Routine" -Versuchspersonen beteiligt waren, die mit reinem synthetischem THC getestet wurden - eine menschengemachte Kopie des am meisten das Bewusstsein verändernden chemischen Bestandteils von Hanf. Die UCLA Forscher bewiesen nicht einfach, das Hanf meinen Augendruck senkte. Sie entdeckten das meine Krankheit durch die Anwendung konventioneller Glaukommedikamente nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Wenn ich diesen Medikamenten überlassen blieb, würde ich erblinden, genau wie Dr. Fine vorhersagte. Auch synthetisches THC (Marinol®) wurde an mir getestet. Was für eine lausige miese Droge! Sie ruft Ängste hervor. Die therapeutischen Auswirkungen, wenn überhaupt, sind minimal, vorübergehend und unvorhersagbar. Aber THC gibt es als Pille. Zu Pillen haben Beamte, Wissenschaftler und Ärzte einen Bezug. Ausserdem wissen wir alle, dass man nicht rauchen sollte. Im Endeffekt befand die UCLA, Hanf sei nicht nur positiv einzuschätzen; es sei medizinisch entscheidend für die Aufrechterhaltung meiner Sehkraft.
Okay. Es ist bewiesen. Nun vor Gericht damit. Ich war dazu bereit, aber meine ängstlichen Anwälte verschworen sich mit einem noch ängstlicherem Doktor Fine und überredeten mich zu einer zweiten absichernden Auswertung. An den Iden des März 1976 fand ein zweites, viel weniger lustiges Experiment im Wilmer Eye Institute an der John Hopkins University statt, wo ich die sechs schrecklichsten Tage meines Lebens verbrachte. Die Wilmer Ärzte hatten strikte Anweisung von Dr. Fine, eine konventionelle Lösung zu finden. Er wollte nicht vor Gericht aussagen. Also bombardierten sie mich mit jedem Glaukommedikament, das in den Lehrbüchern Stand. Ich wanderte in die medizinische Bibliothek, wo die akkumulativen (sich anhäufenden) negativen Auswirkungen der Langzeitanwendung von Glaukommedikamenten mich alarmierten. Auf der Liste standen unter anderem Katarakte, Nierensteine, Magengeschwüre, Hautausschläge, Medikamentenfieber, geistige Verwirrung, abrupte Stimmungsschwankungen, Bluthochdruck, Nieren-, Atem- oder Herzversagen, Tod. Die Ärzte vom Wilmer Eye Institute konnten trotz ihrer scheinbar perversen Freude daran, mir hochtoxische Medikamente zu verabreichen, nicht die Wirkung von Hanf prüfen. Keine behördliche Erlaubnis. In all diesem Chaos geschah etwas sehr Merkwürdiges. Ich lernte meinen Zimmergenossen Vince kennen, einen dreiundfünfzig Jahre alten Fabrikarbeiter aus West Virginia. Wir waren uns gerade begegnet und hatten nur Hallo gesagt, als Vince mich schon fragte: "Hast du schon einmal wirklich gutes Marihuana probiert?" Überrascht?! Das können sie mir glauben. Offenbar hatte der alte Vince mit ein paar Leuten von der Nachtschicht in einer Pause zum ersten mal in seinem Leben Hanf geraucht. Bingo! Vince merkte, dass seine Halos weggingen. "Wenn ich an genügend Hanf herankommen könnte, wäre ich verdammt nochmal nicht hier", erzählte Vince mir überzeugend. Zwei Tage später schaute ich zu, wie die Kerle in Weiss Vince zu einer kryochirurgischen Operation rollten, einer schrecklichen schmerzhaften Prozedur, bei der ein Teil des Auges vereist und getötet wird, um den Augeninnendruck zu vermindern. In jener Nacht stöhnte Vince qualvoll; seine Zehen krümmten sich vor Schmerzen. Nachdem ich das Institut verlassen hatte, verfolgte ich noch eine ganze Zeitlang seine Fortschritte. Die verstümmelnde Operation hatte ihm nicht geholfen. Da er sich nicht genug Hanf besorgen konnte, erblindete er schliesslich.
Ich war seit fast vier Jahren in Glaukomtherapie, und Vince war der erste Glaukompatient, dem ich je begegnet war. Und Vince wusste es. Wie viele wussten es noch? Beim Abschluss ihrer pharmazeutischen Folter gaben die Ärzte vom Wilmer Institute unwillig ihr scheitern zu. Die Auswertung der UCLA war richtig: Ohne Hanf war mein Augendruck nicht zu kontrollieren. Die Wilmer Chirurgen ignorierten jedoch die UCLA Daten über Hanf und empfahlen einen sofortigen chirurgischen Eingriff.
Was für eine Überraschung! Ohne Hanf würde ich blind werden. Jedermann stimmte darin überein. Die wilmer Ärzte hatten bei ihrem Bemühen, diese Tatsache zu umgehen, operative Eingriffe empfohlen, von denen Dr. Fine wusste, dass sie zu Blindheit führen würden. Schliesslich erklärte er sich bereit, zu meinen Gunsten auszusagen. Er gab den allerhöchsten Grund an; angesichts der vorliegenden Fakten wäre es medizinisch unethisch, mir Hanf vorzuenthalten. Der Rest machte, wie es heisst, Geschichte. Kurz zusammengefasst:

Im Mai 1976 reichte ich bei verschiedenen Bundesbehörden eine Petition ein, in der ich um sofortigen Zugang zu regierungseigenem Hanf bat.
Im Juli machten wir bei meinem Prozess das bis dahin noch nie genutzte juristische Argument der "medizinischen Notwendigkeit" geltend. Im Prinzip ist es einfach das Argument, dass jeder gesunde Mensch, der zu erblinden droht, das Gesetz brechen würde, um sein Augenlicht zu erhalten.
Im November 1976 gaben die Behörden nach. Sie lieferten meinem neuen Arzt John Merritt an der Howard University dreihundert vorgefertigte Hanfzigaretten. Auf diese Weise wurde ich der erste Amerikaner, der legalen, medizinisch überwachten Zugang zu Hanf erhielt.
Im gleichen Monat entschied der Oberste Gerichtshof in Washington D.C., mein Gebrauch von Hanf sei nicht kriminell, sondern eine Handlung aus "medizinischer Notwendigkeit". Es war die erste erfolgreiche Verteidigung mit dem Argument der "medizinischen Notwendigkeit" in der Geschichte des U.S. amerikanischen Rechtssystems.

Mein erstes Jahr mit dem Rauchen verlief nicht gerade geruhsam. Es war ein ständiger Kampf. Ich schwieg nicht über das Thema. Die Behörden versuchten, die Sache herunterzuspielen. Sehr unerfreulich. Wachsende Aufmerksamkeit der Medien brachte die Beamten in Verlegenheit. Andere Patienten erwarteten ebenfalls Hilfe. Anfangs 1978 wurde mir meine legale Versorgung wieder entzogen. Ich klagte sofort. Vierundzwanzig Stunden nachdem wir Klage erhoben hatten, erreichten wir eine aussergerichtliche Einigung, die immer noch wirksam ist, Diese Übereinkunft stellt meine medizinisch angemessene (nicht Forschungszwecken dienende) Versorgung mit Hanf sicher, damit meine legitimen therapeutischen Bedürfnisse erfüllt werden.

Robert Randall hätte nach Ansicht seiner Augenärzte Mitte der siebziger Jahre erblinden müssen. Seit Anfang der siebziger raucht er regelmässig Hanf; seit 1978 darf er dies aufgrund einer Härtefall IND legal tun. Bis heute (1996) hat er sein Augenlicht nicht verloren.

Elvy Musikka ist Mitte vierzig und lebt in Hollywood, Florida. Hier ist ihre Geschichte:

Ende Februar 1975 suchte ich Dr. Rosenfeld auf, einen praktischen Arzt im Gebiet von Fort Lauderdale. Nach einer sehr gründlichen Untersuchung teilte er mir, ich hätte grünen Star. Mein Augeninnendruck war weit über vierzig (knapp über zwanzig ist normal), und Dr. Rosenfeld bestand darauf, das ich sofort einen Augenarzt aufsuchte. Sein Verdacht bestätigte sich, und ich erhielt Pilocarpin Augentropfen.
Im Frühling 1976 wurde das Pilocarpin zu einem Problem. Ich fing an Kreise zu sehen, nahm jedoch an, sie wären ein Symptom des Glaukoms. Ich konnte nicht mehr gut Kontaktlinsen tragen, und der Druck ging wieder nach oben. Ein neuer Arzt schlug vor, ich sollte Hanf in Betracht ziehen, weil es wahrscheinlich sei, dass ich sonst erblinden würde. Er sagte mir das als Freund, nicht als Arzt; damals erkannte ich allmählich, dass Ärzte sich manchmal zwischen dem hippokratischen Eid und hypokritischen Gesetzen entscheiden müssen. Ich hatte das grosse Glück, dass dieser Mann ein Herz hatte. Blindheit war mir nicht neu. Ich wurde Blind geboren, mit angeborenen Katarakten, und wurde mit fünf zum ersten Mal an den Augen Operiert. Damals war die Augenchirurgie weit von den Laseroperationen heutiger Tage entfernt, und eine menge Narbengewebe blieb zurück. Ich trug sehr dicke Brillengläser, bis ich etwa vierzehn war und mein linkes Auge operiert wurde. Irgend etwas ging schief, und dieses Auge verlor seine Sehkraft völlig. Aber mit 20/200 Sehkraft im rechten Auge und Kontaktlinsen war ich bis zu diesem neuesten Befund ganz gut klargekommen.
Der Gedanke, Hanf zu nehmen, war mir unbehaglich, da ich über diese Droge bisher nur gelernt hatte, sie sei so gefährlich und suchterregend wie Heroin. Wegen meiner Angst wurde mir beim ersten Mal schlecht. Das finde ich heute besonders amüsant, da ich inzwischen weiss, dass Hanf Übelkeit sehr wirksam verhütet und lindert. Ich habe auch erfahren, dass sich manche Menschen nach der Anwendung von Hanf verfolgt fühlen. Mir ging es anfangs auch so, aber heute frage ich mich, ob dies eine Auswirkung der Pflanze selbst ist oder ob es mit den seit langem verbreiteten Mythen über ihre Gefährlichkeit zu tun hat. Heute leide ich nach dem Gebrauch von Hanf nicht mehr unter Paranoia - vielleicht ist das ein Hinweis?
In jenem Sommer entdeckte ich etwas merkwürdiges. Eines Tages ging ich voller Panik zu meinem Arzt, weil mein Freund Jerry und ich in der Nacht davor ziemlich viel Zeit damit verbracht hatten, Champagner zu trinken. Ich nahm an, mein Augendruck sei gestiegen und war sehr überrascht, dass er bei 12 und 13 lag. Mein Arzt erklärte mir, dass Beruhigungsmittel wie Alkohol, Hanf und Demerol® den Augendruck senken. Seiner Ansicht nach war das unbedenklichste von den dreien Hanf.
Es war schrecklich für mich, es zu rauchen, so dass mein Arzt und ich beschlossen, für mich wäre es das beste, es in Keksform zu mir zu nehmen. Er warnte mich, dass ich etwas mehr brauchen würde als beim Rauchen. Er gab mir ein Rezept über eine Unze (28,35g) Hanf, mit der ich vierundzwanzig Kekse backen konnte - das reichte für zwölf Tage.
Ich wusste nicht genau, wo ich Hanf besorgen sollte und hatte nicht immer Zugang dazu. Einmal war mein Augeninnendruck so hoch, dass mein Arzt mir etwas besorgte. Es wurde mir von seiner Sekretärin ausgehändigt. Oh, diese arme Frau! Wie sie zitterte! Ihre Hände waren eiskalt, als sie mir die Tüte übergab. Ich dankte Gott für diese mitfühlenden Menschen. Ich wusste, dass der Strassenpreis dreissig bis vierzig Dollar pro Unze betrug, aber sie nahm nur fünfzehn Dollar. Das konnte natürlich so nicht weitergehen, und ich versuchte, legal Marihuana zu erhalten.
Ich konnte nicht genug Hanf bekommen und musste weiterhin Pilocarpin nehmen. Als ich daraufhin wieder anfing, Kreise zu sehen, war mein Arzt nicht mehr in der Stadt, und ich ging zu einer neuen Klinik. Als dem diensthabenden Arzt dort klar wurde, dass ich mein Glaukom mit Hanf behandelte, schaute er sehr missbilligend. Er verschrieb mir zwei Medikamente und schickte mich ohne ärztlichen Rat nach Hause. Diese beiden Medikamente waren das Schrecklichste, was mir in meinem ganzen Leben begegnet ist. Diamox® sog mir sämtliches Kalium aus dem Körper, und ich war vollständig apathisch. Meine Kinder mussten sich selbst versorgen, denn als ich nach Hause kam, konnte ich nur noch ins Bett gehen. Damals hatte ich nicht das Geld, um das zweite Rezept für Phospholinjodid einzulösen, aber schliesslich probierte ich es aus und fand es unerträglich schmerzhaft.
Ich rief die lokale Zeitung an und erzählte dem Reporter in einem Telefoninterview, dass ich Hanf benutze. Ich erwähnte weder meinen Namen, noch gab ich der Zeitung ein Bild, weil ich Angst hatte, meinen Job und das Sorgerecht für meine Kinder zu verlieren. Aber viele Menschen erkannten mich anhand der Geschichte, meldeten sich ebenfalls und bekannten, sie würden regelmässig Hanf rauchen und mir helfen, Hanf zu bekommen, soweit es möglich war. Sie können sich mein Staunen vorstellen! Manche dieser Menschen waren Kollegen, andere angesehene Mitglieder der Bürgerschaft. Keiner von ihnen, wirklich niemand - war ein Gammler; man hatte mir beigebracht, das jedem Hanfraucher zu unterstellen. Im Januar 1977 schickte mein Arzt mich in ein Forschungszentrum an der Universität von Miami. Er dachte, dort könnten sie mir helfen, legal Hanf zu erhalten. Aber die hingebungsvollen Wissenschaftler in dem Zentrum wollten dieses hässliche Wort nicht hören. Statt dessen verbrachte ich dort die schrecklichsten Tage meines Lebens. Als ich ankam, war mein Augendruck rechts weit über 50 und links weit über 40. Sie gaben mir alles, was ihnen einfiel. Die Pillen halfen nicht viel, auch nicht eine kleine Pumpe, mit der sie das Auge behandelten. Ich musste ein grosses Glas ekelhaft süsser Flüssigkeit trinken, die auch nicht half. Am Ende des Tages lag mein Augendruck in beiden Augen knapp über 40, so dass ich für eine Notoperation vorgesehen wurde.
An jenem Abend backte ich zu Hause aus meinem letzten Rest Hanf ein paar Kekse und ass alle zwölf Stunden zwei davon. Die Ärzte waren schockiert, als ich am nächsten Montagmorgen für die Operation in die Klinik kam und sie meinen Augendruck für die Operation prüften - vollkommen normal bei 14 und 16! Trotzdem bereiteten sie mich für die Operation vor, obwohl die Chancen, mir damit zu helfen, bestenfalls bei 30 Prozent lagen! Am nächsten Morgen führten sie eine Operation an meinen Tränenkanälen durch, die sich als nutzlos erwies. Deswegen muss ich heute die starken Vergrösserungsgläser tragen, denen ich seit der Kindheit entkommen war. Nach dieser Prozedur konnte ich noch schlechter sehen, hatte noch mehr Narbengewebe, einen noch höheren Augendruck und konnte nicht mehr arbeiten.
Nun hatte ich nicht nur mit dem Glaukom zu kämpfen, sondern auch mit Depression und Armut. Es würde mindestens neun Monate dauern, bis die Sozialhilfe mir einen Behindertenausweis ausstellte. Ich fühlte mich erniedrigt, weil ich Lebensmittelmarken benutzen musste, war aber froh, dass es sie gab. Ich litt unter Schlaflosigkeit. Seit ich kein Geld mehr hatte, um Hanf zu kaufen, war es noch schwerer zu beschaffen. Manchmal gaben mir mitleidige Menschen etwas, und meine Schlaflosigkeit verschwand. Hanf ist mit Sicherheit das beste Antidepressivum, dem ich je begegnet bin. 1980 hatte ich noch immer wenig Geld, und Hanf war im Preis gestiegen. Also fing ich an, mir eigene Pflanzen zu ziehen. Ich benutzte bestes Saatgut, aus dem kleinwüchsige Pflanzen keimten - schwer zu finden, aber sehr produktiv. Ich brauchte nur drei oder vier Joints am Tag, Der Druck normalisierte sich so sehr, dass meine Ärzte entschieden, eine Hornhauttransplantation könnte durchgeführt werden. Sie verlief erfolgreich! Ich hatte noch nie so gut sehen können - es war wunderbar! Ich war glücklich, bis Nachbarn über den Gartenzaun stiegen und meine Hanfpflanzen stahlen.
Mein Augendruck schnellte nach oben, und ich hielt mich an den Alkohol. Als ich leichte Blackouts hatte, merkte ich, dass Alkohol nicht die Lösung war. Widerstrebend und voller Angst liess ich mich also auf eine weitere Operation ein. Dieses Mal trat eine Blutung auf, und bevor ich wusste, wie mir geschah, war ich auf dem rechten Auge blind. Da ich im linken Auge nur eine Sehkraft von nur 20/400 besass, hätte man mein Schlafzimmer hell erleuchten können, ohne dass ich aufgewacht wäre. Ich war tief deprimiert. Am schrecklichsten waren die schönen Träume, in denen ich auf beiden Augen sehen konnte und mich als die Frau fühlte, die ich gewesen war. Dann wachte ich auf und fand mich auf dem rechten Auge blind.
Ich brauchte Geld. Ich hatte in meinem Haus ein Zimmer übrig, so dass ich eine Anzeige aufgab und einen Untermieter aufnahm. Er beteuerte mir, er würde keine illegalen Drogen nehmen und niemandem erzählen, dass ich Hanf anbaute. Aber sein merkwürdiges Verhalten überzeugte mich bald davon, dass es doch ein Problem gab, und tatsächlich fand ich unter dem Badezimmerabfluss Kokain. Zuerst leugnete er seinen Drogenmissbrauch, aber ein paar Tage später gab er alles zu. Er sagte, er brauche Kokain, weil er in seinem Job als Autoverkäufer sieben Tage in der Woche zehn Stunden lang arbeiten musste. Ich sagte ihm, seine Gründe wären mir egal; er müsste ausziehen. Zunächst erklärte er sich bereit, aber als der Zeitpunkt heranrückte, wollte er nicht mehr. Wir stritten uns, und er verpfiff mich bei der Polizei. In der Nacht zum 4. März 1988 wurde ich verhaftet, und das veränderte mein Leben für immer. Ich informierte die Medien, und dieses Mal erschien in unserer Lokalzeitung mein Foto mit einer vollständigen Geschichte. Leute, die legal Hanf erhalten hatten, nahmen mit mir Kontakt auf, und mein Arzt und seine Sekretärin verbrachten mindestens fünfzig Stunden damit, Formulare und Anträge für die DEA, die FDA und das NIDA auszufüllen, um legales Hanfkraut für mich zu besorgen. Ich gab eine menge Radiointerviews, und es war wirklich herzzerreissend, weil sich fast immer jemand meldete, der sein Augenlicht unnötigerweise verloren hatte. Es gab auch wirklich besorgte Bürger, nach deren Überzeugung ich nach einer schrecklichen Droge süchtig war und die wirklich wünschten, es gäbe eine andere Lösung für mich. Sie steckten natürlich nicht in meiner Haut und hatten nicht seit zwölf Jahren Hanf genommen, daher war ihnen nicht klar, dass für mich keine Nebenwirkungen zu befürchten waren. Ich bekam Briefe und Anrufe aus dem ganzen Land, sogar aus Kanada. Es war merkwürdig; es gab viele Glaukompatienten, die ihr Augenlicht seit zwanzig und fünfundzwanzig Jahren dank Hanf bewahrt hatten und es sich heute immer noch illegal besorgen. Ich beneidete sie, weil sie für ihre Gesundheit eintraten, weil sie wussten, was sie taten und weil sie für sich selbst die Verantwortung übernahmen.
Aber das half mir im Augenblick auch nicht weiter. Mir drohte eine schwere Strafe. In Florida gilt der Besitz von mehr als zwanzig Gramm Hanf als Kapitalverbrechen, und bei mir hatten sie über vierzig Gramm von einer Pflanze beschlagnahmt, die ich gerade am Montag davor geerntet hatte.
Mein Prozess begann und endete am 15. August 1988. Ich wusste nur eins: Wenn ich vor Gericht musste, dann auch dieses ungerechte Gesetz. Ich hatte keine Angst. Ich spürte, dass Gott und seine Engel bei mir waren. Ich täuschte mich nicht - der einzige Mensch, der bereit war, gegen mich auszusagen war der Polizeibeamte, der mich verhaftet hatte, und ich würde nicht einmal sagen, dass er gegen mich war. Glaukompatienten sagten zu meinen Gunsten aus, und mein Arzt erklärte, dass Hanf der einzige Stoff wäre, der mir jemals verlässliche Besserung gebracht habe. Ich wurde gefragt, ob ich seit meiner Verhaftung Hanf geraucht hätte, und ich antwortete mit ja. "Haben Sie heute Hanf geraucht?" "Natürlich", erwiderte ich. Der Richter hörte aufmerksam zu und entschied, dass es für mich der völlige Widersinn gewesen wäre, wenn ich nicht versucht hätte, mit allen Mitteln zu retten, was an Sehkraft geblieben war. Er befand, ich hätte keinerlei kriminelle Absichten, und wurde freigesprochen. Ich hatte im März 1988 eine Härtefall IND Genehmigung beantragt und erhielt die behördliche Erlaubnis, vom 21. Oktober 1988 an legal Hanf zu benutzen.
Die Sehkraft in meinem rechten Auge kehrt allmählich zurück. Ich nehme nun Licht, Farben und Formen wahr. In meinem linken Auge, das vorher 20/400 war, und jetzt 20/100 ist, ist der Sehnerv sehr gesund, und ich habe keinen weiteren Gesichtsfeldausfall mehr erlitten. Die periphere Sehkraft hat sich sogar verbessert. Ein Wunder - Das ist Cannabis.

Einige Patienten brechen die Behandlung mit konventionellen Glaukommedikamenten vollständig ab und nehmen nur noch Cannabis. Harvey J. Ginsburg - von ihm stammt der folgende Bericht -, ergänzte die von seinem Augenarzt verschriebenen Medikamente um Hanfkraut:
Ich bin 47 Jahre, Psychologieprofessor an der Southwest Texas State University und derzeit Projektleiter bei der National Science Foundation. Meine Frau Diana war bis vor kurzem Studienberaterin an der San Marcos High School in San Marcos, Texas. Am 24. Juni 1994 wurden wir beide wegen illegalen Marihuanabesitzes festgenommen - es ging um sechs Pflanzen und 230 Gramm Hanfkekse. Ein Teenager aus dem Bekanntenkreis meines Sohnes hatte uns anonym bei der örtlichen Polizei angezeigt und dafür eine Belohnung von 1000 Dollar bekommen. In einer Anzeigenreihe zum Thema Verbrechensbekämpfung hatte es geheissen, dies sei "eine erträgliche und aufregende Möglichkeit des Geldverdienens, mit der sich niemand schuldig macht".
Seit 1980 leide ich am Grünen Star, der in meiner Familie schon mehrfach aufgetreten ist. Von 1980 bis 1994 habe ich eine Reihe verschreibungspflichtiger Medikamente genommen, darunter Timoptic® und Betoptic® (die Beta-Blocker Timolol und Betaxolol), Ocusert® (Pilocarpin) und Propin® Dipivrefin, ein lokal angewandtes Glaukommedikament). Nachdem ich mich 1986 mit der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur befasst hatte, züchtete ich Hanf für meinen Eigenbedarf. Es mag sein, dass sich mein Zustand auch ohne Hanf gebessert hätte, aber angesichts des Verlaufs eines Glaukoms muss man dies bezweifeln. Wie mein Augenarzt mir bestätigte, konnten die verschriebenen Medikamente den Krankheitsverlauf jedenfalls nicht beeinflussen. Vielleicht hätten neuere Medikamente zu einem vergleichbaren Erfolg geführt, doch solange das Verbot der Marihuanaforschung nicht aufgehoben ist, lässt sich das nicht überprüfen. Ich kann hier nur sagen, dass eine tägliche Gabe von zwei Gramm Hanf in Kombination mit anderen Medikamenten den infolge des Glaukoms erhöhten Innendruck meiner Augen langfristig gesenkt hat. Während ich mich darauf vorbereitete, meine Verteidigung vor Gericht auf der Argumentation medizinischer Notwendigkeit aufzubauen, veranlasste der Bezirksanwalt die Finanzbehörde, unseren Besitz zu pfänden und unsere Konten einzufrieren, um gemäss der Texas Controlled Substances Tax die Nachzahlung von Steuergeldern in Höhe von 2450 Dollar zu erzwingen. Im Bundesstaat Montana hatte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten eine vergleichbare Steuer als verfassungswidrig verworfen. Als die Vertreterin der Steuerbehörde das Geld entgegennahm und bei dieser Gelegenheit von meinem Gesundheitszustand erfuhr, schüttelte sie nur den Kopf und sagte: "Wann werden sich diese Gesetze endlich ändern?"
Am 31 Juli 1995erklärte sich der Bezirksanwalt bereit, sämtliche Klagen gegen uns fallenzulassen; der zuständige Richter hatte dagegen keinerlei Einwände. Eine Woche später drückte der Polizeichef von San Marcos in einem zornigen Leserbriefen die örtliche Zeitung sein Missfallen darüber aus. Daraufhin beschloss die Polizei, in Selbstjustiz "Gerechtigkeit" zu üben. Der Leiter des Drogendezernats setzte sich mit dem Schulleiter zusammen, der meiner Frau nun die Kündigung nahelegte und ihr mit dem Entzug ihrer Lehrbefugnis drohte, weil sie durch das Zusammenleben mit einem notorischen Hanfraucher gegen die Grundsätze der im Bezirk anerkannten Null Toleranz Politik gegenüber Drogen verstossen habe. Am Ende blieb ihr wirklich kein anderer Ausweg, aber immerhin gelang es ihr, eine passable aussergerichtliche Einigung mit der Schulbehörde zu erwirken.
Ohne Hanf sank bei mir der Augeninnendruck zunächst dramatisch an, stieg dann aber auf die höchsten bis dato gemessenen Werte an. Die Folge war, dass mein Augenarzt mir Ocupress® (Carteolol, ein Beta-Blocker) verordnete; dieses Medikament wurde trotz der erheblichen Nebenwirkungen - u.a. das Risiko von Schlaganfällen und Herzstillstand - von der FDA zugelassen. Ein weiteres unlängst zugelassenes Medikament Xalatan® (Latanoprost), bewirkte eine bislang unerforschte permanente Braunfärbung ursprünglich blauer Augen und birgt möglicherweise ebenfalls Gesundheitsrisiken. Die Anwendungssicherheit von Hanf und dessen Eigenschaften, den Augeninnendruck zu senken, sind dagegen allgemein bekannt.