Mittwoch, Mai 22, 2013
   
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Medizin Allgemein

THC könnte nach einer experimentellen Studie die Auslöschung von Furcht bei Angststörungen verbessern

THC könnte nach einer experimentellen Studie die
Auslöschung von Furcht bei Angststörungen verbessern

THC beugte in einem Experiment zur Extinktion (Auslöschung) dem
Wiederauftreten von Furcht vor. Dies ist das Ergebnis einer
placebokontrollierten Studie mit 29 gesunden Personen an der Klinik für
Psychiatrie der Universität von Michigan in Ann Arbor (USA). Die Teilnehmer
wurden einem Standardmodell für die Extinktion von Furcht ausgesetzt. In
diesem Experiment der klassischen Konditionierung folgt auf einen neutralen
Reiz, beispielsweise ein Ton, ein zweiter (unangenehmer) Reiz,
beispielsweise Schmerzen. Wenn dieses Experiment wiederholt wird, verursacht
bereits der erste (neutrale) Reiz eine körperliche Reaktion, weil die
Personen die Schmerzen (den zweiten Reiz) erwarten. Bei der Extinktion
handelt es sich um einen Lernprozess, bei dem die erlernte Reaktion auf den
ersten Reiz verschwindet, wenn dieser Reiz ohne den zweiten (unangenehmen)
Reiz auftritt. Dieses Erlernen der Extinktion stellt eine wichtige
Herangehensweise bei der Behandlung von Angststörungen dar.

In der Studie erhielten 14 Teilnehmer zwei Stunden vor der Extinktion orales
THC, während 15 ein Placebo erhielten. 24 Stunden nach der Extinktion wurden
die Probanden erneut getestet. Verglichen mit Teilnehmern, die ein Placebo
erhalten hatten, wiesen die Personen, die THC bekommen hatten, eine bessere
Extinktion der Furcht auf. THC könnte daher nützlich bei der Behandlung von
Angststörungen, wie beispielsweise posttraumatischen Belastungsstörungen,
sein. Die Wissenschaftler folgerten, dass "diese Ergebnisse den ersten
Nachweis dafür liefern, dass eine pharmakologische Verstärkung der
Extinktion beim Menschen funktioniert, wenn Modulatoren des
Cannabinoidsystems verwendet werden. Dies verdient weitere Entwicklungen und
klinische Untersuchungen."

Rabinak CA, Angstadt M, Sripada CS, Abelson JL, Liberzon I, Milad MR, Phan
KL. Cannabinoid facilitation of fear extinction memory recall in humans.
Neuropharmacology, 13. Juli 2012 [im Druck]

Wissenschaft/Mensch: Cannabis reduziert Symptome bei einem Patienten mit
schwerer posttraumatischer Belastungsstörung

Die Symptome einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung wurden bei
einem jungen Mann signifikant durch die Selbstbehandlung mit Cannabis
verbessert. Dies geht aus einem Fallbericht der Klinik für Psychiatrie der
Medizinischen Hochschule Hannover (Deutschland) hervor. Seit seinem vierten
Lebensjahr war der Patient Opfer eines langzeitigen, sadistischen sexuellen
Missbrauchs durch seinen Vater und den Onkel väterlicherseits. Dies hielt
bis zu seinem 15. Lebensjahr an, als er zum zweiten Mal versuchte, sich
umzubringen.

Die Autoren des Berichts sahen den Patienten mehrere Jahre später zum ersten
Mal. Zu diesem Zeitpunkt war er während einer akuten Krise mit starken,
unkontrollierten Flashbacks, Panikattacken und Impulsen, sich selbst zu
verletzen, zu seiner Sicherheit und Stabilisierung in die Psychiatrische
Klinik eingewiesen worden. Die Selbstverletzungen hatten in der
Vergangenheit zu Narben durch Messerschnitte geführt. Nach einigen Tagen, in
denen er sich stabilisiert hatte, wurde er in einem
Psychotherapie-Behandlungszentrum zurücküberwiesen. In den folgenden Wochen
verbesserte sich sein Zustand dramatisch. Als er gefragt wurde, was nach
seiner Ansicht für die Verbesserung seines Zustands verantwortlich war, gab
er zu, dass er von anderen Patienten gelernt habe, Cannabisharz zu rauchen.
Er hatte entdeckt, dass er gespaltenen Bewusstseinszuständen durch das
Rauchen von Cannabis vorbeugen konnte, sobald er erste Gefühle der
Reaktivierung und Verstärkung der traumatischen Erinnerungen als Flashbacks
bemerkte. Auch wenn er nach der Cannabisverwendung weiterhin
Flashback-Phänomene erlebte, so waren ihr Verlauf und ihre Stärke verändert.
Die Autoren nahmen eine Übersicht zu diesem Thema vor und folgerten: "Es
gibt zunehmende Hinweise, dass Cannabinoide eine Rolle bei der Extinktion
von Furcht und antidepressiven Wirkungen spielen könnten."

Quelle: Passie T, Emrich HM, Karst M, Brandt SD, Halpern JH. Mitigation of post-traumatic stress symptoms by Cannabis resin: A review of the clinical and neurobiological evidence. Drug Test Anal, 26. Juni 2012 [im Druck]
 

Nabilon wirksam bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen bei Diabetes

Nabilon wirksam bei der Behandlung neuropathischer
Schmerzen bei Diabetes

Nabilon reduziert Schmerzen bei Patienten mit Diabetes, die an peripheren
neuropathischen Schmerzen, die nicht auf andere Medikamente ansprechen,
leiden. Dies ist das Ergebnis einer doppelblinden, Placebo kontrollierten
Studie, die an die Abteilung für Klinische Neurowissenschaften der
Universität von Calgary (Kanada) durchgeführt wurde. 37 Patienten erhielten
4 Wochen lang das synthetische Cannabinoid Nabilon zusätzlich zu ihrer
laufenden Medikation. Von diesen erzielten 26 eine zusätzliche
Schmerzlinderung von mehr als 30 Prozent und 11 sprachen auf die Behandlung
nicht an. Patienten, die auf die Therapie ansprachen, wurden in eine weitere
5-wöchige doppelblinde Behandlungsphase aufgenommen. 13 erhielten Nabilon in
einer flexiblen Dosis (1-4 mg pro Tag) und 13 bekamen ein Placebo.

Bei den auf Nabilon ansprechenden Patienten wurde eine Verbesserung der
neuropathischen Schmerzen festgestellt (eine mittlere Reduzierung um 1,27
auf einer visuellen Analogskala). Die durchschnittliche Nabilondosis betrug
am Ende der Behandlung 2,9 mg pro Tag. Es gab im Vergleich zum Placebo auch
signifikante Verbesserungen bei der Angst, dem Schlaf und der
Lebensqualität, die mit standardisierten Fragebögen gemessen wurden. Die
Forscher folgerten, dass "flexibel dosiertes Nabilon in einer Dosis von 1-4
mg pro Tag wirksam bei der Linderung von DPN-Symptomen war und den gestörten
Schlaf, die Lebensqualität und den allgemeinen Zustand des Patienten
verbesserte. Nabilon wurde gut vertragen und war wirksam als
Zusatzmedikation bei Patienten mit DPN."

Quelle: Toth C, Mawani S, Brady S, Chan C, Liu C, Mehina E, Garven A, Bestard J, Korngut L. An enriched-enrolment, randomized withdrawal, flexible-dose, double-blind, placebo-controlled, parallel assignment efficacy study of nabilone as adjuvant in the treatment of diabetic peripheral neuropathic pain. Pain, 22. August 2012 [im Druck]
   

Cannabiskonsum durch Erwachsene verursacht keine Beeinträchtigung der Intelligenz

Cannabiskonsum durch Erwachsene verursacht keine
Beeinträchtigung der Intelligenz

Selbst starker Cannabiskonsum verursacht bei Erwachsenen keine Abnahme der
geistigen Leistungsfähigkeit. Allerdings kann starker Konsum der Droge
während der Jugendzeit zu einer reduzierten Intelligenz im späteren Leben
führen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer langzeitigen Studie, die
von einem internationalen Forschungsteam in Neuseeland durchgeführt worden
war. Die Teilnehmer waren Mitglieder der Dunedin-Studie, eine Studie von
1037 Personen, die von der Geburt in den Jahren 1972/73 bis zu einem Alter
von 38 Jahren begleitet wurden. Cannabiskonsum wurde bei Befragungen im
Alter von 18, 21, 26, 32 und 38 Jahren ermittelt. Neuropsychologische Tests
wurden im Alter von 13 Jahren, vor Beginn des Cannabiskonsums, und erneut im
Alter von 38 Jahren durchgeführt.

Die Forscher fanden heraus, dass Personen, die kontinuierlich Cannabis
konsumiert hatten – also mindestens viermal in der Woche jedes Jahr in ihrer
Jugendzeit, ihren zwanziger Jahren und in einigen Fällen ihren dreißiger
Jahren geraucht hatten – an einer Abnahme ihres Intelligenzquotienten
litten. Je mehr die Person geraucht hatten, umso größer war die Abnahme des
Intelligenzquotienten. Dieser Effekt wurde nur bei Personen festgestellt,
die ihren Konsum in der Jugendzeit begonnen hatten. "Es ist eine so
spezielle Studie, dass ich ziemlich sicher bin, dass Cannabis für Gehirne
über 18 Jahre sicher, jedoch risikoreich für Gehirne unter 18 Jahre ist",
erklärte Professor Terrie Moffitt von der Klinik für Psychiatrie des King's
College in London, ein Mitglied des Forschungsteams, gegenüber BBC News.
„Das Ergebnis ist eine gute Nachricht für alle Patienten, die Medikamente
auf Cannabisbasis verwenden“, erklärte Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, in einer Pressemitteilung der ACM.
„Eine mäßig starke Cannabisverwendung wie beim medizinischen Einsatz sowie
die Verwendung der Droge durch Erwachsene geht nicht mit messbaren
Beeinträchtigungen einher“.

Quelle: Meier MH, Caspi A, Ambler A, Harrington H, Houts R, Keefe RS, McDonald K, Ward A, Poulton R, Moffitt TE. Persistent cannabis users show neuropsychological decline from childhood to midlife. Proc Natl Acad Sci U S A, 27. August 2012 [im Druck] BBC News vom 28. August 2012 Reuters vom 27. August 2012 Pressemitteilung der ACM vom 30. August 2012
   

Marihuana gegen psychische Erkrankungen

Marihuana gegen psychische Erkrankungen

Israelische Forscher haben eine Cannabis-Pflanze mit einem minimalen THC-Anteil gezüchtet, die zur Behandlung von Angstzuständen, Depressionen, Schizophrenie und Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden soll.

Während in Deutschland die Legalisierung von Marihuana in aller Munde ist, haben israelische Wissenschaftler eine Cannabis-Pflanze gezüchtet, die eine medizinische Wirkung haben soll, ohne einen Rausch zu erzeugen. "Was soll es dann bringen?", werden sich die Cannabis-Befürworter fragen. Aber hier geht es um das gesundheitliche Wohlbefinden von Patienten.

Ein Sprecher der Gesellschaft Tikun Olam hat erklärt, dass die Pflanze das Aussehen, den Geschmack und den Geruch der Originalpflanze hat.

Patienten, die die Pflanze aus medizinischen Gründen eingenommen hatten, haben weder eine berauschende Wirkung noch die typischen Heißhunger-Attacken gespürt. Damit bleibt auch der Gewöhnungseffekt aus, so die Forscher. Nach Angaben von Tikun Olam ist der berauschende Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) in der neuen Pflanze reduziert und der Anteil von Cannabidiol (CBD) erhöht. CBD zeigt seine positive Wirkung bei Diabetes und psychischen Krankheiten. In Israel ist der Konsum von Cannabis offiziell verboten.

In der letzten Woche wurde berichtet, dass eine vorläufige Prüfung der CBD für die Behandlung von Menschen mit Schizophrenie stattgefunden hat. In dieser Studie wurde erwiesen, dass CBD genauso effektiv wie ein Standard-Neuroleptikum war – ohne die Nebenwirkungen wie beispielsweise Bewegungsstörungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme.

CBD hat neuroprotektive Eigenschaften, welche in Tierversuchen die Alzheimer-Krankheit bekämpft hat - in der Humanforschung müssen noch Studien durchgeführt werden. Einige Arten von Marihuana haben angstreduzierend Effekte. Shorn von THC, ein Marihuana Medikament könnte als Anti-Angst-Medikamente oder Antidepressiva eingesetzt werden.

Leider gibt es aus politischen Gründen noch große Hürden, um diese Art von Marihuana zu legalisieren und auch die Pharmaindustrie ist aus finanziellen Gründen nicht wirklich von dieser Konkurrenz begeistert.
   

Die medizinische Verwendung von Cannabis

Die medizinische Verwendung von Cannabis

Die medizinische Verwendung von Cannabis - eine Übersicht zur weltweiten Situation

Im Dezember 2008 hat die Bundesopiumstelle beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vier deutschen Patienten erstmals eine Erlaubnis erteilt, Cannabis, das in niederländischen Apotheken erhältlich ist, über ihre deutsche Apotheke zu beziehen. Insgesamt besitzen etwa 30 Patienten eine Ausnahmegenehmigung zur medizinischen Verwendung von Cannabis durch die Bundesopiumstelle, davon die meisten eine Erlaubnis zur Verwendung eines Cannabisextrakts. Die erste dieser Ausnahmegenehmigungen wurde im August 2007 erteilt. Diese Erlaubnis hat häufig keine praktische Relevanz, weil sich die Betroffenen den Cannabisextrakt, der etwa die Hälfte des Preises von Dronabinol kostet, nicht leisten können. Selbst bei einer Erlaubnis der Verwendung von Cannabis aus den Niederlanden stellt dies für die betroffenen Patienten nur eine Lösung dar, wenn sie vergleichsweise geringe Cannabismengen benötigen oder über ein ausreichend hohes Einkommen verfügen. Unter der Annahme von Kosten von 10 Euro pro Gramm Cannabis für einen deutschen Patienten ergeben sich bei einem Tagesbedarf von zwei Gramm monatliche Kosten von etwa 600 Euro, während bei einem Tagesbedarf von 0,2 Gramm 60 Euro pro Monat bezahlt werden müssten.

Etwa 1.500 weitere Patienten erhalten zur Zeit in Deutschland den Cannabiswirkstoff Dronabinol auf einem Betäubungsmittelrezept ihres Arztes. Dieser Artikel analysiert die Situation hinsichtlich der medizinischen Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden in anderen Ländern und vergleicht sie mit der Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

Israel

In Israel besteht wie in Deutschland die Möglichkeit für Patienten, eine Ausnahmegenehmigung zur medizinischen Verwendung von Cannabis zu erhalten. Im Gegensatz zu Deutschland entscheidet keine Behörde, sondern ein vom Gesundheitsminister bestimmter Arzt über die Genehmigung. Zur Zeit ist dies der medizinische Direktor einer psychiatrischen Klinik, der von Ärzten auf eine solche Genehmigung angesprochen wird. Der behandelnde Arzt muss erklären, dass die bisherige Behandlung mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten nicht erfolgreich war und er Cannabis empfiehlt. Es gibt eine Liste von Indikationen, bei deren Vorliegen eine Ausnahmegenehmigung in Frage kommt. Diese Liste wurde in den vergangenen Jahren entsprechend des wissenschaftlichen Fortschritts erweitert. Bisher wurden etwa 110 Ausnahmegenehmigungen erteilt. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu Deutschland besteht in der kostenlosen Abgabe von Cannabis, das von einem zertifizierten Anbauer angebaut wird.

 

Kanada

In Kanada besitzen zur Zeit etwa 2.500 Personen eine Erlaubnis zum Besitz von Marihuana durch das Gesundheitsministerium und etwa 1.700 Personen eine Erlaubnis zum Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke für sich selbst oder einen bestimmten Patienten, den sie versorgen. Alternativ zu einer Erlaubnis zum Eigenanbau besteht die Möglichkeit, Cannabis vom Gesundheitsministerium käuflich zu erwerben. Der Preis ist für Patienten, verglichen mit Preisen in anderen Ländern, sehr günstig und beträgt 5 kanadische Dollar (etwa 3 Euro) pro Gramm. 

Nach Umfragen verwenden die meisten Patienten in Kanada Cannabis ohne eine entsprechende Erlaubnis, da die medizinische Verwendung von Cannabis im Allgemeinen nicht strafrechtlich verfolgt wird. Obwohl der bürokratische Aufwand für eine Ausnahmegenehmigung wesentlich geringer ist als für Patienten in Deutschland und eine Erlaubnis mit einer entsprechenden ärztlichen Empfehlung eigentlich immer erteilt wird, gaben Aidspatienten bei einer Umfrage aus dem Jahr 2007 an, dass sie den bürokratischen Aufwand scheuten. Auch in  Kanada gibt es eine Liste von Krankheiten, bei deren Vorliegen eine Ausnahmegenehmigung grundsätzlich erteilt wird, wenn ein Arzt eine entsprechende Behandlung empfiehlt. Grundsätzlich ist auch eine Erlaubnis bei anderen Erkrankungen möglich. Allerdings müssen in diesem Fall zwei Ärzte eine Empfehlung für eine Therapie mit Cannabis aussprechen.

Daneben besteht in Kanada die Möglichkeit zur ärztlichen Verschreibung des synthetischen Cannabinoids Nabilon und des Cannabisextrakts Sativex für bestimmte Indikationen.

 

Niederlande

In Kanada und den Niederlanden wurde ein Büro für medizinischen Cannabis beim Gesundheitsministerium eingerichtet. Diese Einrichtung kommt einer Forderung der internationalen Drogenkonventionen (Single Convention on Narcotic Drugs von 1961) nach, nach denen ein Land, das die medizinische Verwendung von Cannabis erlauben möchte, dies mit Überwachung durch eine entsprechende Regierungsbehörde machen muss. In den Niederlanden begann diese Regierungsbehörde am 1. September 2003 mit der Verteilung von Cannabis an Patienten über Apotheken. Der Cannabis aus Apotheken ist etwas teurer als Cannabis in den Coffee-Shops, er wird jedoch biologisch angebaut und ist garantiert frei von Bakterien und anderen Verunreinigungen, da der Anbau bei der Firma Bedrocan überwacht wird. Am günstigsten ist Apotheken-Cannabis in einer bestimmten Apotheke in Groningen (Apotheke Hanzeplein), da diese große Mengen vom Hersteller abnimmt und Cannabis für 6 Euro pro Gramm abgeben kann.

Vom Jahresumsatz an Cannabis kann geschlossen werden, dass zur Zeit etwa 500 Patienten Cannabis aus der Apotheke erhalten. Es wird allerdings geschätzt, dass in den Niederlanden 10.000 bis 15.000 Patienten Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden. Der größte Teil dieser Patienten baut Cannabis entweder selbst zuhause an - der Anbau von fünf Pflanzen wird toleriert - oder besorgt sich Cannabis in Coffee-Shops, von denen es zur Zeit etwa 500 gibt.

 

USA

In den USA ist wie in vielen anderen Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Niederlande, die ärztliche Verschreibung des Cannabiswirkstoffs Dronabinol erlaubt. In den USA wird mit großem Abstand das meiste Dronabinol an Patienten abgegeben. Der Dronabinol-Verbrauch belief sich nach offiziellen Angaben im Jahr 2005 auf 312,5 kg, so dass unter der Annahme eines Jahresbedarfs von 5 Gramm pro Patient (bei einer Tagesdosis von etwa 15 mg) 62.000 Patienten versorgt werden können. Dies entspricht einer Versorgungsdichte von 210 Patienten pro 1 Million Einwohner (Bevölkerungszahl: 290 Millionen Einwohner), verglichen mit einer Versorgungsdichte von 19 Patienten pro 1 Million Einwohner in Deutschland (80 Millionen Einwohner), unter der Annahme, dass in Deutschland 1.500 Patienten mit 5 Gramm Dronabinol pro Jahr versorgt werden. Um eine gleiche Versorgungsdichte wie in den USA zu erzielen, müssten nicht 7,5 kg Dronabinol für 1.500 Patienten abgegeben werden, sondern 80 kg für 16.000 Patienten.

Ende der 70er Jahre war in den USA ein Programm aufgelegt worden, nach dem Patienten eine Ausnahmegenehmigung zur medizinischen Verwendung von Cannabis erhalten können. Diese Genehmigungen waren mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden, so dass bis zur Einstellung des Programms im Jahr 1992 nur 13 Ausnahmegenehmigungen erteilt wurden. Zur Zeit erhalten noch fünf überlebende Patienten dieses Programms monatlich fertig gerollte Cannabiszigaretten vom Nationalen Institut für den Drogenmissbrauch. Der Cannabis wird in einem Institut an der Universität von Mississippi angebaut. Darüber hinaus ist die medizinische Verwendung von Cannabis nach den Bundesgesetzen verboten.

In 13 von 50 Bundesstaaten der USA ist die medizinische Verwendung von Cannabis mit einer entsprechenden ärztlichen Erlaubnis jedoch nach den jeweiligen staatlichen Gesetzen erlaubt. Die Formulierung der einzelnen Gesetze variiert in den verschiedenen Staaten. Beispielsweise müssen sich die Patienten in einigen Staaten beim Gesundheitsministerium registrieren lassen. In Oregon dürfen nach Angaben der Webseite des staatlichen Gesundheitsministeriums etwa 20.000 Personen Cannabis für medizinische Zwecke besitzen. Dies entspricht bei einer Einwohnerzahl von 3,4 Millionen 0,59 Prozent der Bevölkerung oder 5.900 pro eine Million Einwohner.

Der Gegensatz zwischen den Bundesgesetzen und den staatlichen Gesetzen hat in der Vergangenheit wiederholt zu Konflikten geführt, da die Bundesdrogenbehörde DEA (Drug Enforcement Administration) bei Cannabisverteilungsstellen Razzien durchgeführt oder Patienten verhaftet hat. Der neue amerikanische Präsident Barak Obama hat allerdings im Wahlkampf versprochen, diese Razzien und Verhaftungen durch Bundesbehörden in Staaten mit einem entsprechenden Gesetz für medizinischen Cannabis einzustellen.

 

Österreich

Auch in Österreich kann Dronabinol vom Arzt verschrieben werden. Es wird aus Deutschland importiert. Die Kostenerstattung für eine Behandlung mit dem Cannabinoid durch die Krankenkassen erfolgt wesentlich unproblematischer als in Deutschland. Die Chefärzte der Krankenkassen, entsprechend dem Medizinischen Dienst in Deutschland, unterstützen meistens eine Übernahme der Kosten, so dass nach Aussagen eines niedergelassenen Arztes aus Wien, der häufig Dronabinol verschreibt, in mehr als 60 Prozent eine Kostenübernahme erfolge. In Deutschland erfolgt dagegen durch die Kassen nur selten eine Kostenübernahme. Der Anbau von sonst illegalem Cannabis für medizinische Zwecke wird in der Praxis von den österreichischen Behörden oft toleriert.

 

Schweiz

Dronabinol kommt in der Schweiz nur selten zum Einsatz, da es nur eine Apotheke gibt, die eine Erlaubnis zur Abgabe des Cannabinoids hat. Dieses Dronabinol wird aus Deutschland importiert. Zur Verwendung von Dronabinol bedarf es einer Ausnahmegenehmigung durch das Gesundheitsministerium. Bisher gab es etwa 50 Ausnahmegenehmigungen. Zur Zeit erhalten 25 bis 30 Patienten in der Schweiz Dronabinol. Die medizinische Verwendung natürlicher Cannabisprodukte ist nach dem Gesetz nicht erlaubt, wird jedoch häufig toleriert, wenn mit der Verwendung kein Handel verbunden ist. 2008 gab es eine Volksabstimmung, nach der das Betäubungsmittelgesetz so verändert werden soll, dass in der Zukunft Cannabispräparate für medizinische Zwecke erlaubt sein sollen. Allerdings ist dieser Passus so ungenau formuliert, dass seine konkrete Umsetzung bisher unklar ist.

 

Frankreich

Cannabis und einzelne Cannabinoide sind in Frankreich nicht für medizinische Zwecke erlaubt. Allerdings hat eine Behörde des Gesundheitsministeriums die Möglichkeit, die Verwendung von Gesundheitsprodukten, die nicht auf dem französischen Markt erlaubt sind, in Ausnahmen zu erlauben. Bisher bezieht sich diese Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen für Cannabinoid-haltige Medikamente nur auf das in den USA hergestellte Dronabinol-Präparat Marinol®. Seit 2001 wurden 74 solcher Ausnahmegenehmigungen für die Verwendung von Marinol erteilt, darunter überwiegend für chronische Schmerzen, die nicht auf andere Medikamente ansprachen (41 der 74 Patienten).

 

Finnland

Die Gesetze in Finnland sehen wie die Gesetze in Norwegen und Schweden keine medizinische Verwendung von Cannabinoid-haltigen Medikamenten vor. Allerdings hat die nationale Behörde für Medikamente einem finnischen Schmerzpatienten im Jahr 2006 eine Ausnahmegenehmigung zur medizinischen Verwendung von Cannabis erteilt. Sie war durch ein Verwaltungsgerichtsurteil dazu gezwungen worden. Der Gesetzgeber will nun klären, unter welchen Umständen weitere Patienten eine Ausnahmegenehmigung erhalten können.

 

Spanien

In Spanien wird der Anbau von Cannabis für den Eigenbedarf nicht strafrechtlich verfolgt, so dass auch Patienten, die Cannabis verwenden möchten, keine juristischen Probleme erwarten müssen. Es besteht zudem die Möglichkeit zur Verschreibung des synthetischen Cannabinoids Nabilon und des Cannabisextrakts Sativex für bestimmte Indikationen. Die Krankenkassen übernehmen in diesen Fällen die Kosten der Behandlung.

 

Andere Länder

Wie diese kurze Übersicht zeigt, sind die Möglichkeiten für Patienten, von Cannabisprodukten zu profitieren, in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. Während in Finnland und anderen skandinavischen Ländern sowie Frankreich die Situation wesentlich schlechter ist als in Deutschland, sind die Möglichkeiten in Kanada, den Niederlanden und Spanien wesentlich besser. Auch einige andere Länder, wie beispielsweise Belgien, verfolgen einen Anbau zum Eigenbedarf nicht, während Neuseeland mit 10.000 wegen Cannabisbesitz verurteilten Personen bei einer Einwohnerzahl von 4 Millionen zu den Spitzenreitern bei der Verfolgung von Cannabiskonsumenten zählt. In 2008 haben drei neuseeländische Patienten erstmals eine Erlaubnis zur Verwendung von Sativex erhalten. Andere Länder bewegen sich zwischen diesen Extremen, zum Teil gibt es, wie in Australien, erhebliche regionale Unterschiede innerhalb eines Landes.

Von Dr. med. Franjo Grotenhermen, Vorstandsvorsitzender der ACM

 

http://www.cannabis-med.org/

Quelle: grow.de

   

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